Die Atmosphäre der Venus ist dicht und heiß, ihre Oberfläche heiß und trocken. Flüssiges Wasser gibt es nicht, in den Wolken kommt nur wenig Wasserdampf vor. Diese ganz anderen Bedingungen als auf der Erde sind ein Rätsel, wenn man annimmt, dass zur Entstehungszeit des Sonnensystems Erde und Venus sehr ähnlich waren. Wenn die Venus am Anfang so wasserreich war wie die Erde, wie konnte das Wasser verschwinden?
Eine Antwort auf diese Frage bietet jetzt die Venus Express-Mission. - In den Magnetometerdaten von VEXMAG findet man schon im Sonnenwinderste Anzeichen von planetarem Wasserstoff, stromaufwärts noch bevor der schnelle Strom geladener Sonnenteilchen auf die äußere Atmosphärenschicht der Venus trifft.
Photoionisation durch Sonnenlicht im UV-Bereich erzeugt "neu-geborene" Wasserstoff-Ionen in der oberen Exosphärenschicht. Diese werden durch Wechselwirkung mit dem interplanetaren Magnetfeld des Sonnenwinds beschleunigt und manche können sogar die nähere Venus-Umgebung verlassen. Ihre Anwesenheit weit weg von der Venus sieht man in Form von spezifischen Wellenzügen im gemessenen Magnetfeld. Das ist der erste Nachweis, dass die Venus Wasserstoff direkt an den Sonnenwind verliert, über ein unerwartet großes Raumvolumen hinweg. Im Laufe der Entwicklung des Sonnensystems kann dieser Beitrag zum Gesamtwasserverlust beträchtlich sein.
- Das Teilchen-Instrument ASPERA (IRF Kiruna, Schweden) misst den Fluss geladener Teilchen in der näheren Venus-Umgebung. Unter Zuhilfenahme der Magnetometerdaten wurde nun analysiert, dass vor allem auf der sonnenabgewandten Seite (Nachtseite) der Venus große Mengen von Wasserstoff- und Sauerstoff-Ionen in den langgezogenen Plasmaschweif entweichen. Sie werden vom Sonnenwind über die Venus-Pole dorthin geblasen und gehen weiter in den interplanetaren Weltraum verloren.
Die Mengen an gemessenem Wasserstoff und Sauerstoff stehen im Verhältnis 2:1 und deuten somit darauf hin, dass es sich tatsächlich um verlorenes Wasser (H2O) handelt. Der Wasserverlust auf der Nachtseite ist damit eine Hauptursache für das fast gänzliche Fehlen von Wasser auf der heutigen Venus.
 - Wasserverlust im Sonnenwind und auf der sonnenabgewandten Seite der Venus,
(C) ESA, IRF, IWF
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