Die Venus ist ein Zwillingsplanet der Erde - und wie es oft bei Zwillingen der Fall ist sind sie zwar in der Erscheinung ähnlich, jedoch sehr unterschiedlich im Charakter. Venus ist unwesentlich kleiner in Durchmesser und Masse im Vergleich zur Erde. Dichte, chemische Zusammensetzung und innerer Aufbau sind vergleichbar. Jedoch ist Venus der Sonne näher und das führt zu wesentlichen Unterschieden: sie rotiert sehr langsam und retrograd (!). Die planetare Kruste ist viel dicker als die der Erde, wodurch das Innere glutflüssig bleibt, aber auch jenen Wärmeaustausch behindert, der zu Konvektionserscheinungen im flüssigen Eisenkern des Planeten führt. Das ist der wahrscheinlichste Grund für das Fehlen eines intrinsischen globalen Magnetfeldes sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit des Planeten. Venus verfügt über eine undurchsichtige, sehr dichte 90 bar CO2 Atmosphäre. Ein außer Kontrolle geratener Treibhauseffekt führt dabei zu Temperaturen von mehr als 740 Grad Kelvin, was sogar Blei zum Schmelzen bringt. Untersuchungen über die Evolution der Venus Atmosphäre lehren uns viel über den Treibhaus Effekt auf der Erde - und seine Konsequenzen. Wegen seiner Sonnennähe hat die Venus fast ihr gesamtes Wasser in den Weltraum oder chemisch gebunden in der Oberfläche verloren und ist daher extrem trocken. Dieser Mangel an Wasser ist auch ein Grund für die massive Atmosphäre, da dadurch kaum atmosphärisches CO2 in der Oberfläche gebunden wird - so wie auf der Erde im Boden oder den Ozeanen. Untersuchungen über die atmosphärischen Fluchtprozesse bei der Venus helfen uns, diese Rätsel zu lösen.
Venus - auch als "Morgen-/Abendstern" bezeichnet und das hellste Objekt am Himmel neben der Sonne und dem Mond - ist in der Vergangenheit schon von mehreren Raumsonden untersucht worden. Viele von ihnen (besonders die sowjetischen Venera und VEGA Serien) trugen schon österreichische Instrumente zur Venus. Auch Landesonden waren an Bord, die jeweils nur einige Stunden in der höllischen Umgebung (enorme Hitze, Druck und ätzende Säuren) überleben konnten. Andere bekannte Venus-Sonden waren die amerikanische Pioneer Venus Serie (ein Langzeit-Orbiter und vier hart landende Abstiegssonden) und Magellan (ausgestattet mit einem kräftigen RADAR zur detaillierten Kartografierung des Planeten trotz der mächtigen, undurchsichtigen Wolken). Für Venus Express, die erste europäische Mission zur Venus, liefert das Institut für Weltraumforschung (IWF) zusammen mit der TU Braunschweig und dem Imperial College London ein Magnetometer und hat hierbei die Federführung.
Weitere Informationen zur Venus findet man bei The Nine Planets.
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